Kürzlich wollte ein Leser aus der Prignitz (das liegt im nordwestlichen Brandenburg) von mir wissen, wie es denn nun richtig heiße: "Mich frieert an den Füßen" oder "Mich frieert an die Füße"? Da musste ich erst einmal die Heizung höher stellen und anschließend lange nachdenken. Diese Frage hat es nämlich in sich, und zwar in dreifacher Hinsicht: Erstens scheint man in der Prignitz ausdauernder zu frieren als anderswo, denn die Schreibung mit doppeltem e lässt auf eine zweisilbige Aussprache schließen. Während man in den meisten Gegenden Deutschlands nur einsilbig friert, wird das Frieren in Brandenburg offenbar zu einer längeren Sache, die man sich so richtig auf der Zunge, besser gesagt: unter den Zehen zergehen lässt. Um es auf eine einfache Bauernregel zu bringen: Wenn der Hengst im Stalle wiehert, der Bauer in der Stube frieert.
Zweitens ist die Alternative bei der Fußbehandlung bemerkenswert. "Mich friert an den Füßen" ist zweifellos die standardsprachlich richtige Form. Dass es jemanden auch "an die Füße" frieren kann, habe ich noch nicht gehört, aber das muss nichts heißen, denn ich stehe gerade erst am Anfang meiner Entdeckungsreise in die Welt der regionalsprachlichen Wunder. Wer im Fall des Frierens seine Füße zu einem Akkusativ verkrümmt, tut dies möglicherweise in Analogie zum Verb "klopfen", da der Nikolaus bekanntlich sowohl "an der Tür" wie auch "an die Tür" klopfen kann. Das Erste geschieht im Dativ und auf die Frage "Wo klopft es?", das Zweite im Akkusativ und auf die Frage "Wohin/woran wird geklopft?" In beiden Fällen lautet die Antwort gleich, und zwar "Herein!", denn den Nikolaus lässt man wohl kaum draußen vor der Tür stehen.Text
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