Ich war gerade sieben Jahre alt, als ich zum ersten Mal von einer äußerst mysteriösen Krankheit hörte, die offenbar sehr gefährlich war. Ich kannte bis dahin nur Windpocken, Masern und Scharlach - nichts, was sich nicht mit Bettruhe, Gummibären und Comicheften kurieren ließ. Aber nun war ein Mitschüler an Hepatitis erkrankt. Die Schulleitung war sehr besorgt, und aus Angst vor einer Ansteckung wurden wir alle nach Hause geschickt. Hepatitis sagte damals allerdings nur der Arzt, die Leute bei uns im Dorf sprachen von Gelbsucht.
Ich verstand etwas anderes, "Gelbsucht" ergab für mich jedenfalls keinen Sinn, denn wie sollte man nach einer Farbe süchtig werden können? Meiner Mutter erklärte ich, dass ein Kind in meiner Klasse die Geldsucht bekommen habe. Ich machte mir viele Gedanken deswegen. Konnte man an Geldsucht sterben? Oder darüber den Verstand verlieren? Hatte ich mich womöglich schon angesteckt? Immerhin hatte ich in letzter Zeit doch häufiger daran gedacht, meinen Vater um eine Taschengelderhöhung zu bitten! Eine große Angst erfasste mich. Ich nahm mein Sparschwein, gab es meiner Mutter und bat sie, es bis auf weiteres vor mir zu verstecken. Als ich schließlich erfuhr, dass die Krankheit gar nichts mit Geld zu tun habe, war ich sehr erleichtert.
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