Höhepunkt der Ausbildung war die "Gas-Taufe" mit dem Kampfgas Blaukreuz. Wir standen alle in einem gasverseuchten Raum mit aufgesetzter Gasmaske. Auf Kommando mußten alle die Gasmaske absetzen und erst nach dem Absetzen aller Masken lief die Zeit: 1 Minute. Jetzt galt es, die Maske wieder möglichst schnell dicht aufzusetzen. Säumiges Absetzen Einzelner und die eigene Aufgeregtheit beim Wiederaufsetzen der Maske verlängerten zwangsläufig den Gaskontakt. Wie lang 90 Sekunden sein können. Mindestens einmal hat jeder geatmet. Wir bekamen trotz der relativ kurzen Zeit einen Eindruck von der Wirksamkeit von Blaukreuz. Alle Glieder schmerzten, Übelkeit und Gliederschwäche wollten kein Ende nehmen. Wir durften uns danach zwei Tage lang erholen - und waren dann stolz auf den Eintrag im Wehrpaß.
Vor der "Taufe" gab es lange Diskussionen, solle man den Atem anzuhalten veruchen mit dem Risiko, noch ohne Maske den Drang zum Atmen zu verspüren und tief zu atmen, oder von Anfang an ganz sanft atmen? Die Aufregung hat dann alle Vorsätze zerstört.
Der Frühling nahte und die nächste Station lag südlicher: Die Marineschule in Flensburg-Mürwik. Ausbildungsziel: Signalgast. Kaum mit den Örtlichkeiten vertraut begrüßten wir die Kapitulation. Von einem Tag auf den anderen waren wir engliche Kriegsgefangene unter deutschem Befehl. Na ja, die ehemaligen Vorgesetzten traten nicht mehr als Autoritäten auf, mehr wie Ordnungskräfte.
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