Das Älterwerden bringt manche Probleme mit sich. Man stellt fest, dass man beim Laufen schneller außer Atem gerät als noch mit Anfang 20, der Körper braucht länger, um sich von Alkoholexzessen zu erholen, man behält am Strand lieber mal das T-Shirt an und fühlt sich auf Massenveranstaltungen zunehmend unwohl. Und noch etwas ändert sich: Der Umgang mit Gleichaltrigen. War es früher noch ganz selbstverständlich, jemanden, der ungefähr im gleichen Alter war, mit Du anzusprechen, so will die Wahl des korrekten Anredepronomens ab 30 gut überlegt sein.
Natürlich ist es auch immer eine Frage des gesellschaftlichen Zusammenhangs. Mein 20-jähriger Neffe, der seit kurzem studiert, duzt natürlich alle Kommilitonen, auch die älteren, so wie es zu meiner Studentenzeit auch schon war. Aber den gleichaltrigen Angestellten in der Bank siezt er - wegen des förmlicheren Umfelds, wie er sagt. Nach meiner Grundausbildung bei der Luftwaffe war ich derart eingeschüchtert, dass ich sogar einen Obergefreiten gesiezt habe, obwohl der gerade mal ein halbes Jahr älter war als ich, nur weil er einen Streifen mehr auf der Schulter hatte. Der klärte mich darüber auf, dass frühestens ab Unteroffiziersrang gesiezt würde, und nach ein paar Wochen im Schichtdienst und einigen feuchtfröhlichen Feiern siezte ich nicht einmal mehr den Hauptfeldwebel.
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