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Vom Fliegen, Fahren, Gehen und Laufen
Das berühmte Fliewatüüt konnte fliegen, fahren und schwimmen. In der Phantasie ist vieles möglich, in der Sprache aber nicht. Da können Tiere nicht gehen und Ballone nicht fliegen. Ein paar Gedanken zu den seltsamen sprachlichen Gesetzen der Fortbewegung. 
Von Bastian Sick

Kultur SPIEGEL ONLINE  14. März 2007

Langsam rollt der Zug aus dem Bahnhof, gewinnt an Fahrt, lässt Häuser und Straßen hinter sich und jagt alsbald über die niedersächsische Tundra. Da meldet sich eine gefürchtete Stimme über Lautsprecher: Der Zugführer spricht! "Meine Damen und Herren", sagt er, "unser Zug hat Hannover Hauptbahnhof mit einer Abgangsverspätung von sieben Minuten verlassen." Bei diesem Wort horche ich auf: Abgangsverspätung. Die meisten Menschen denken beim Wort "Abgang" an etwas anderes: an den Tod oder ans Theater, aber nicht unbedingt an die Deutsche Bahn. Im Wörterbuch findet man allerdings den Vermerk, dass die Abfahrt von Zügen fachsprachlich "Abgang" genannt wird. Es bleibt die Frage, wieso der Zugführer mit den Reisenden in seiner Fachsprache reden muss. Vielleicht glaubt er, den Unmut über die Verspätung durch Vorspiegelung fachlicher Kompetenz beschwichtigen zu können.

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