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Was man nicht in den Beinen hat...
Feststehende Redewendungen sind längst nicht so fest, wie man meint. Viele wackeln, dass einem ganz schwindlig wird. Aber das hat auch sein Gutes. Denn verdrehte Redensarten sind das tägliche Brot in der Salzsuppe unserer Sprache. Von Bastian Sick

Kultur SPIEGEL ONLINE  13. Dezember 2006

Um eine fremde Sprache zu beherrschen, bedarf es nicht nur der Kenntnisse des Vokabulars, der Grammatik und der Aussprache. Die größte Hürde stellen die sogenannten Idiome dar: Das sind feststehende Wortgruppen, die nur in ganz bestimmten Zusammenhängen einen Sinn ergeben. Wenn man zum Beispiel etwas nicht bemerkt oder übersieht, dann hat man "Tomaten auf den Augen". Die Annahme, dass Tomaten generell für eingeschränkte Sinneswahrnehmung stehen, ist nicht richtig. Wer etwas nicht hört, der hat keinesfalls "Tomaten auf den Ohren". Stattdessen hat er "Bohnen in den Ohren".

Derlei lexikalisierte Fügungen gibt es Tausende in jeder Sprache. Oft lassen sie sich nicht wortgetreu übersetzen. Mit der deutschen Feststellung "Er fällt mir auf den Wecker!" kann weder ein Engländer ("He's falling on my clock") noch ein Franzose ("Il me tombe sur le reveil") etwas anfangen. Auf Englisch heißt es "He gives me the hump" (wörtlich: Er macht mir einen Buckel) und auf Französisch "Il me casse les pieds" (wörtlich: Er bricht mir die Füße). Mit wörtlicher Übersetzung kommt man nicht weit. Es hilft leider nichts: Um sich halbwegs sicher auf dem glatten Parkett einer Fremdsprache bewegen zu können, muss man ihre Idiome mühsam auswendig lernen.

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