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Bildung Grade Titel XXXXXXXXXXXXXXXXXXXX / Doktor-Grad, Übersicht / Die Promotion
 

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Die Promotion
 Der steinige Weg zum Doktor


Ein Buch von Ingo von Münch   

Der Autor:
Der promovierte Jurist Ingo von Münch war Professor für öffentliches Recht an der Ruhr-Universität Bochum und an der Universität Hamburg sowie Gastprofessor in Australien, Frankreich, Neuseeland, Südafrika und in den USA.

Themen des Buches "Promotion":
I. Ein Mensch mit Doktortitel - etwas Besonderes?
II. Warum promovieren? Gründe für und dagegen
III. Doktorvater und Doktormutter
IV. Thema der Dissertation
V. Doktorandenbetreuung
VI. Doktorandinnen
VII. Finanzierung der Promotion
VIII. Unvollendete Promotion
IX. Die Dauer des Schreibens
X. Die Dauer des Verfahrens
XI. Von non rite bis summa cum laude - Die Benotung
XII. Die mündliche Prüfung
XIII. Das Alter der Promovierten
XIV. Danach: Promotionsfeier, Veröffentlichung, Titelführung
Anhang: Dr. honoris causa und Dr. pecuniae causa

Fragen an den Autor:
Der viele Jahre als „Doktorvater“ tätige von Münch beantwortete im Dezember 2003 in der ZEIT Fragen zum Promovieren.

Für wen es sich lohne zu promovieren, sei pauschal nicht für alle Disziplinen zu beantworten. In der Medizin sei es beispielsweise üblicher und wichtiger. Generell lohne es sich für jeden, der Freude an selbstständiger wissenschaftlicher Arbeit habe. Auf eine Promotion lieber verzichten? „Die meisten Promotionsvorhaben verlaufen im Sande, wenn jemand eine attraktive berufliche Position bekommt. Da heißt es abzuwägen: Ist es sinnvoll, später einen Doktor zu haben, aber keinen Job, oder jetzt einen Job, aber nicht den Doktor?

Betreffend Ansehen des Doktors gebe es, auch abhängig von Disziplinen, Unterschiede, meinte von Münch. Der Dr.-Ing. zähle heute mehr als manche anderen Doktortitel. Generell gelte, daß der Doktorgrad als solcher heute keine besondere gesellschaftliche Position verleihe. Im 19. Jahrhundert dagegen gab es beispielsweise besondere Regeln für die Sitzordnung bei Tisch, wenn ein Doktor anwesend war. Heute wirke weniger der Doktortitel albern oder übertrieben als seine Präsentation. Es falle negativ auf, wenn sich jemand mit dem Doktortitel vorstelle oder einen Brief mit ihm unterschreibe.

Angesprochen auf die Frage, wie ein Professor davon überzeugt werden können, Doktorvater zu werden, meinte von Münch: „Vor der Dissertation machen die meisten Studenten einen Fehler. Sie lassen das Studium eher schleifen und haben nach dem Abschluß auf einmal die Idee zu promovieren. Sinnvoller wäre, schon während des Studiums ein wenig an eine spätere Promotion zu denken. Das bedeutet zum Beispiel, daß man Kontakt zu Professoren sucht. Es gibt Studenten, die haben noch so eine Pennäler-Einstellung und machen um jeden Professor einen weiten Bogen. Aus Angst, ihre Kommilitonen könnten sie sonst für Schleimer halten. Man kann sich aber schon als Student durch gute Leistungen oder gescheite Fragen in der Vorlesung in den Kopf eines Professors eingraben. Sehr viele Dissertationen entstehen übrigens aus Seminararbeiten: Es kommt vor, daß der Seminarleiter den Studenten fragt, ob er nicht später bei ihm promovieren möchte. Gelegentlich gibt es sogar einen kleinen Konkurrenzkampf um die besten Studenten.

Und wenn der Student keinen Erfolg hatte? Dann sollte er einen Professor ansprechen, dessen Forschungsschwerpunkt den Studenten besonders interessiert. Ein häufiges Problem ist, daß der Professor sich wochen- oder monatelang nicht äußert, ob er den Studenten annimmt. Dadurch stehlen viele Hochschullehrer jungen Menschen Zeit. Zum Nachhaken empfiehlt von Münch, einen eventuell guten Draht zur Sekretärin zu nutzen und sie um Tips für einen Kontakt zu bitten. Nur nicht aufgeben! Im schlimmsten Fall: lieber einen anderen Doktorvater suchen.

Ein fertiges Dissertationsthema mitzubringen ist je nach Fach und Professor unterschiedlich empfehlenswert. Manche Professoren ziehen gleich eine Liste mit möglichen Promotionsthemen aus der Schublade. Nach Ansicht des erfahrenen Doktorvaters von Münch, sollte der Doktorand sich das Thema am besten selber suchen, weil er dann eine ganz andere, viel engere Beziehung dazu hat.

Und was, wenn der Doktorand ein Jahr an einem Thema geschrieben hat und es plötzlich von jemand anders veröffentlicht sieht? Dann, so von Münch, muß es nicht dasselbe sein. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Doppelung ist aber gering. Und zwei, die das gleiche Thema behandeln, tun das fast immer unterschiedlich: in der Methode, im Ansatz, im Ergebnis. Es spricht aber einiges dafür, die Doktorarbeit zügig zu schreiben. Länger als drei, vier Jahre sollte man nicht daran sitzen, wenn man das nicht gerade neben dem Beruf macht.

Zur Finanzierung: Was ist dem Studenten zu raten? Der klassische Fall, so von Münch, sei die Stelle eines wissenschaftlichen Mitarbeiters, aber davon gebe es immer weniger, eher Stipendien. Man müsse sich nur umschauen.

Der Aufwand an Zeit hänge vom Fach ab. Es gebe Leute, die haben angeblich in sieben Monaten promoviert, andere brauchten fünf Jahre und länger. Der Hauptfaktor sei die Suche nach dem Doktorvater. Die sollte binnen sechs Monaten abgeschlossen sein. Das Thema habe man in der Regel schon. Falls man es noch suchen müsse, empfiehlt von Münch: drei weitere Monate.

Das Schreiben sei von Fach zu Fach unterschiedlich aufwendig. Früher waren Doktorarbeiten sehr viel kürzer und hatten manchmal sogar keine Fußnoten. Heute liege eine typische Doktorarbeit in Jura bei rund 200 Seiten. Der Glaube: Je umfangreicher die Arbeit, umso besser die Note, sei ein Irrglaube. Von Münch hatte eine Doktorarbeit mit 8000 Fußnoten zu betreuen. Für die habe der Doktorand nicht die Höchstnote bekommen und war sicherlich enttäuscht. Zur wissenschaftlichen Arbeit gehöre auch die richtige Entscheidung, was ich ausführen müsse und was nicht wichtig sei.

Die Kosten der Veröffentlichung der Dissertation mache so manchem Doktoranden Sorge. Von Münch weist auf zwei Möglichkeiten hin: den Copyshop und „Books on Demand" im Internet. Außerdem gebe es spezialisierte Verlage, die einen relativ geringen Druckkostenzuschuß nehmen. Bei renommierten Verlagen seien 6000 bis 8000 Euro keine Seltenheit. Da müsse man sich natürlich fragen, ob sich das für einen selbst lohne. Bei besonders guten Arbeiten vergeben einige Stiftungen Druckkostenzuschüsse.

Im Vergleich zur Dauer der Anfertigung der Dissertation sei die mündliche Prüfung ein Kurzfilm, meint von Münch. In der mündlichen Prüfung fällt nur selten jemand durch. Aber auch das kann passieren. Meistens handele es sich dabei um Doktoranden, die im Berufsleben stehen und sich nicht richtig vorbereiten konnten.

Ansonsten rät von Münch: „Nicht aufgeben! Eine Doktorarbeit zu schreiben ist zu einem entscheidenden Teil eine Frage der Ausdauer.“

Die "Promotion" in Wikipedia

Promovieren  (Studis online) 

Anspruch auf Anrede mit dem Doktorgrad
 

 



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