20 Jahre lang war ich in ganz Bayern unterwegs, an manchem Wochenende an drei verschiedenen Orten. Montags im Büro bereitete ich die Berichte vor, vervollständigte die Ergebnisse und fuhr mit dem Filmkonzept im Kopf zum 14-Uhr-Schneidetermin ins Studio. Dementsprechend schnell war ich mit dem Bericht fertig. (Eine lückenlose Erfassung der Arbeitsleistung im Patentamt gab mir die Ausrede, meine Dienstzeit frei zu gestalten.)
Der kürzeste Bericht war 30 Sekunden lang, der längste 15 Minuten. Sein Titel lautete "Kunststoff contra Metall". Anlaß war der heftige Streit, welches Material besser sei. Um Informationen zu sammeln, sprach ich mit den damals aktiven Skigrößen Luggi Leitner und Willy Bogner. Ich besuchte Toni Sailer in Kitzbühl, der uns für eine Nacht in seinem Haus als Gäste aufgenommen hat, und die Skifabriken Kneißl (Kunststoffski) in Traunstein und Fischer (Metallski) in Ried am Inn. Überraschend schwierig zu gestalten war ein Film für den Faschingsmontag, der "komisch" sein sollte.
Die regelmäßige wenn auch kurze Gegenwart im Fernsehen brachte mir einen nicht unwillkommenen Bekanntheitsgrad ein. Im Patentamt wie in Bank, Apotheke und anderen Läden wurde ich immer wieder erkannt und angesprochen: „Ich habe sie gestern im Fernsehen gesehen (oder gehört). Vor 40 Jahren hatten solche Auftritte eine andere Bedeutung als heute. Das Wort (oder mein Schild im Auto) "Fernsehen" war besonders in kleineren Orten ein Losungswort, das alle Türen öffnete. Wir wurden vom Bürgermeister oder vom Vereinvorstand offiziell, sogar über die Lautsprecheranlage begrüßt und zum Essen eingeladen. Beim Radsportgönner Eggerer in Herpersdorf bei Nürnberg war sogar die Übernachtung frei, und zum Weihnachtsfest schickte er mir eine Kiste mit Lebkuchen.
Andererseits brauchte es schon eine Überwindung, im Sommer bei schönem Wetter die Familie im Garten zu verlassen und z. B. nach Hof im Bayerischen Wald zu fahren. Hof war wegen seiner Entfernung wenig begehrt als Reporterziel. Auch die dort herrschenden niedrigen Temperaturen im Winter waren gefürchtet. Es gilt deswegen ja auch als das bayerische Sibirien. Die Kameraposition auf dem Stadiondach war dem Wind direkt ausgesetzt. Doch nichts gegen Hof. In der Freiheitshalle habe ich spannende Wettkämpfe gefilmt und bei schönem Wetter machte es Spaß, vom Bahnhof zum Fußballstation zu laufen.
Plötzlich erhielt ich keine Telefonanrufe mehr, mit denen mir 20 Jahre lang die Aufträge erteilt wurden. Einen Grund erfuhr ich nicht. Auch eine offizielle Verabschiedung blieb aus. Anderen Reportern ist es ebenso gegangen wie mir.
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