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Frau Eva Kötting, Tagesgespräch
Hörerbrief vom 25.01.2006 
 

Hallo, sehr verehrte Frau Kötting,

gestern hörte ich wie gewohnt das Tagesgespräch, mit Ihnen und Herrn Süß. Meine Homepage, auf die ich in Briefen an die Redaktion immer verweise, hat ja nicht nur die Themen Titelwesen und Hirnforschung zum Inhalt, sondern vorwiegend die deutsche Sprache. Besonders widme ich mich den Schlampereien und nichtssagenden Floskeln, mit denen unsere Sprache verhunzt wird. Das erklärt mein besonderes Interesse an der Sendung. 

Die Wahl des „Unwortes“, ein Wort, das selbst zur der gesuchten Kategorie gehört, hat auch mich überrascht. Es sollte wenigstens ein Wort sein, das die Mehrzahl der Bürger schon einmal gehört hat. Mir ist es jedenfalls beim Lesen von ca. 15 Zeitungen und Zeitschriften bisher nicht aufgefallen.

Gut hat mir der Vorschlag eines Hörers gefallen, von Blödwörtern zu reden. Ich nenne diese Wortschöpfungen „Reizwörter“ bzw. „Reizworte“ (wenn es sich um eine Kombination von Wörtern handelt).

Das Thema gestern führte zwangsläufig zu anderen sprachlichen Unarten. Ich habe auch schon auf die Verantwortung der Moderatoren und Moderatorinnen hingewiesen, die sie auf Grund ihrer Vorbildfunktion mit der Macht des Massenmediums für die Sprache haben. Immer wieder kann ich beobachten, wie gerade die Floskeln, die im Funk benutzt werden, von Anrufern verwendet werden, und umgekehrt. So haben Sie z. B. heute die Wendung „nicht wirklich“ gebraucht, die zu den neuesten unsinnigen Schöpfungen des Volkes zählt. Was heißt das, „ja“ oder „nein“?

Eine weitere liebenswerte Schwäche haben Sie heute offenbart, indem Sie die Wörter „Worte“ und „Wörter“ beliebig benutzten, so, als wenn Ihnen der Unterschied unbekannt wäre. Gab es diesbezüglich keine Erörterung in der Redaktion? Sie befinden sich in guter Gesellschaft. Viele Deutschen kennen den Unterschied nicht. Der Rhetorik-Professor hat in strickt beachtet.

Auch die Denkfloskel „ich denke“ verbreitet sich schnell. Sie alle in der Tagesgespräch-Redaktion sind da noch am Anfang. Aber jeden Samstag in der Sendung „Gesundheitsgespräch“, für das Sie natürlich nicht verantwortlich sind, steigert sich die von mir sehr verehrte Frau Koch von Sendung zu Sendung in der Zahl der Ankündigungen zu denken – trotz mehrmaligen Hinweises auf unser immer noch bestehendes Unwissen über den Ablauf des Denkens im Gehirn. Auch andere ständig wiederholten Sprachmacken („das  heißt“,  „sozusagen“, „ja“) kann sie einfach nicht ablegen. Und Herr Buchberger leidet unter einer Dr.-Manie. Er kann den Namen Koch nicht ohne den Zusatz „Doktor“ aussprechen. Im Tagesgespräch wird diesbezüglich vorbildlich verfahren.

Der häufige Einschub „sozusagen“, mit der sich auch Frau Heinzeller neuerdings von Sendung zu Sendung steigert, trägt nicht zum floskelfreiem Deutsch bei. Sie übersieht, daß sie damit ihre eigenen Ausdrücke als nicht ganz zutreffend entwertet.

Ihr Kollege, Herr Lierheimer, ist Spitzenreiter im Gebrauch der „Würde-Floskel“. Sie alle sind vom „Würde-Fieber“ befallen. Warum ersetzen Sie diese Wendung (ich würde ...) nicht durch „ich möchte ...“?

Ein Blick auf die jeweils angegebenen Seiten meiner Homepage (mit Suchfunktion), nur ein Klick genügt, gibt Ihnen ausreichende Informationen über viele Sprachklippen, auch über den Unterschied zwischen „Worte“ und „Wörter“. Ich habe den Eindruck, daß bisher noch niemand der Redaktion meine ausführlichen Informationen über die deutsche Sprache benutzt hat.

Hier noch etwas Positives: Sie danken wenigstens, wenn auch jeweils dreimal, einmal davon herzlich, den Anrufern. Ihr Chef und Frau Heinzeller richten den Dank immer wieder auf sich, was ein Psychotherapeut als verbale Selbstbefriedigung bezeichnet hat.

Ich empfehle der Redaktion erneut einen Blick in meine Homepage (weiter zu „Favoriten“). Vielleicht wird ja das Thema „Deutsche Sprache“ einmal aktuell, auch Herr Süß nahm den Vorschlag eines Hörers positiv auf. Sie müssen nicht einmal  die genaue Adresse eingeben. Es genügt die Eingabe meines Namens in Google. Unter über 2 Mill. Treffern finden Sie mich entweder an erster oder an dritter Stelle. Das wechselt ständig. 

Mit herzlichen Grüßen
Ihr Ulrich Werner

 



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