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Vom Auftrag zum sendefertigen Bericht

 

Zu jedem Auftrag wurden mir Kameraleute zugeteilt, mit denen ich mich in München oder am Ereignisort traf. Die Zahl richtete sich nach der Sportart. Beim Fußball zum Beispiel reichte ein Kameramann, bei Autorennen brauchte ich schon vier. Beim Tennis kam ein Tonmann hinzu, dessen Gerät mit der Kamera (Ariflex, kurz Ari) gekoppelt wurde, um Bild und Ton zu synchronisieren. Da die Ereignisse und die Ergebnisse nie vorhersehbar waren, durfte an Material nicht gespaart werden. Der oder die Sieger mußten "in den Kasten". Da konnten schon mal 400 Meter Film zusammenkommen. Die Filme wurden im Kopierwerk entwickelt, aneinander gehangen und im Archiv bereitgestellt. Ein Schneideraum war für mich bestellt und das Sichten des Szenen mit der Cutterin begann. Die wichtigen Szenen wurden herausgetrennt und auf einen „Galgen“ gehangen. Der besteht aus einen Holzgerüst mit Stahlstiften zum Befestigen der Filmabschnitte und einem großen mit Samt ausgekleideten Kasten, in dem die Szenen lagern.

Aus dem Material für 1/2 bis 1 Stunde mußte jetzt ein Film mit 2 bis 3 Minuten Dauer entstehen. Dem ungefähren Ablauf des Berichtes entsprechend gab ich der Cutterin die von mir numerierten Szenen, die sie aneinanderklebte. Dazu benutzte sie eine Klebepresse, wie sie auch von den Schmalfilmern in den 60iger Jahren verwendet wurde. Die Schicht am letzten Bild der einen Szene wurde abgekratzt, mit Klebstoff benetzt und an das letzte Bild der anderen Szene angepreßt. Der Nachteil dieser Methode: Es war unmöglich, die zusammengeklebten Szenen ohne Bildverlust zu trennen. Das fehlende Bild hätte einen Ruck bei der Wiedergabe verursacht. Später wurde der Klebstoff durch Tesafilm ersetzt. Die Szenen waren beliebig auf austauschbar. Und heute? Elektronische Kameras und elektronische Schneidetische bringen Zeitgewinn und Arbeitsvereinfachung.

Der Film diente als Unterlage für den Kommentar, der zur Bildfolge passen mußte. Und dann ab in die Mischung. Wenn dann nicht noch die Anweisung von der Redaktion kam: 30 Sekunden kürzen! Und das bei der strickt eingehaltenen ursprünglich vorgegebenen Länge von nur 2 ½ Minuten. Welche Szenen herausnehmen? Auch der Kommentar konnte nicht ungeändert bleiben, alles unter Zeitdruck. Endlich war die Mischung für die Sprachaufnahme frei. Hier stand mir dann einer der bekannten Reporter wie Heinz Maegerlein, Oskar Klose, Sammy Drechsel, Günther Wolfbauer, Ludwig Maibohm, Fritz von Thurn und Taxis zur Verfügung, die den Filmbericht nach meinen Anweisungen und Aufzeichnungen kommentierten.

Nach einer Panne mit einem der Genannten, der zum Ausfall der Berichtes führte, erledigte ich die Sprachaufnahme künftig selbst. Das brachte mir großen Streß. Schon meine Mutter hatte mich oft aufgefordert, nicht so zu nuscheln. Und jetzt sollte ich plötzlich deutlich artikulieren. Ich hätte nie gedacht, daß die Undeutlichkeiten beim Sprechen bei der Funkausstrahlung so deutlich hörbar sind. Das dürfte auch an den Mikrophonen im Studio liegen. Außerdem hört man sich selbst anders als andere.

 



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