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Duden / Beispiele / 5. deutschunfähig
 

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5. Der Duden - deutschunfähig?
 

 

Weitere Erläuterungen zum Mißbrauch von "-fähig"

Vor ca. 50 Jahren gab es noch kein BTX, aber auch kein Wort wie wie "BTX-fähig". Das Adjektiv "fähig" wurde vorwiegend im aktivischen Sinn gebraucht, indem es ausdrücken soll, daß jemand imstande zu einer Handlung ist (arbeitsfähig). Sodann besagt es, daß man einem eine besondere Handlung zutraut (des Verbrechens fähig). Und schließlich bezeichnet "fähig" gute Anlagen, Leistung und Begabung (Er ist ein fähiger Mensch), nachzulesen in Trübners deutsches Wörterbuch von 1940. Erste Versuche, "fähig" auch personenunabhängig einzusetzen, indem es mit einem Hauptwort kombiniert wird, z. B. "salonfähig", "hoffähig" und "gesellschaftsfähig" gefielen offenbar auch dem nicht zur "Gesellschaft" gehörenden Volk so gut, daß sich diese Begriffe bald allgemein durchsetzten. Die Zahl der neuen Wortkombinationen mit dem jetzt zum Suffix gewordenen "-fähig" nahm von Jahr zu Jahr zu. Es wurden weitere Anwendungsgebiete für die Fähigkeiten entdeckt, nun auch für den passivischen Gebrauch. Der Duden als scharfer Beobachter des Sprachgeschehens brauchte nicht lange, um für diese Sinnausdehnung eine Begründung zu finden, ohne jedoch zu erkennen, daß mit ihr das Tor zum Verhunzen der Sprache weit aufgesperrt wurde und welches Potential zum Erzeugen von Sprachmüll in ihm steckt. So folgte schnell - siehe die Funktion der Sprachsünderkartei unter Artikel 2 - in den "Hauptschwierigkeiten ..." (1965) das grammatikalische Dudenplazit für das Suffix mit dem Satz:

"Daneben gibt es Bildungen mit einem Substantiv als Bestimmungswort, in denen "fähig" ausdrücken soll, daß etwas für etwas geeignet ist, daß etwas getan werden kann oder darf."

Dazu gab es sogleich die angeblich passenden, jedoch falschen Beispiele: "anbaufähig" - zum Anbau geeignet, "ausbaufähig" - zum Ausbau geeignet, abzugsfähig"- abgezogen werden dürfend oder könnend usw."

Doch ein Jahr später hieß es im Grammatikband von 1966 unter "Adjektive in der Rolle von Suffixen" etwas vorsichtiger Auch Adjektive können allmählich (!) zu Suffixen werden. Das betrifft vor allem Adjektive ohne festen Inhalt (?) wie .... "-fähig", ...". Beispiele mit "-fähig" fehlen eigenartigerweise. Unverständliche Feinheiten der Sprachpolitik des Duden. Im Ergebnis ist das großzügige Angebot des Dudens an die Sprachpanscher geradezu ideal zum Vergrößern des bereits triefenden Schwamms, aus dem sich ständig neue Wortschöpfungen zu einem "Fähigkeits"-Brei herauspressen lassen. In ihm lagern nun und vermehren sich täglich die Pseudofähigkeiten alle Art. Seit 1985 wirkt der Duden in strikter Beachtung seiner eigenen Genehmigung zum Verhunzen der Sprache fleißig mit. Im Bedeutungswörterbuch (1985) hat er die ersten kuriosen Wortbildungen mit "-fähig" angeführt: "ratefähige Bilder", "beleidigungsfähige Katzen", "ersatz-", "bündnis-", "vorladungs-", "mehrheits-", "recyclier-", "kabarett-", "kino-", "endlager-", "friedens-", "lexikon-", "recyling-", "steigerungs-", "team-", urlaubs-" und "weltmarktfähig".

Sein Vorbild schuf weitere Schwammwörter: Hier einige Kostproben aus dem inzwischen angereicherten Vorrat der vergangenen Jahre: "regierungsfähig", "abzugsfähig", "genußfähig", "schuldfähig", "waffenfähig", "versandfähig", "medikamentenfähig", "eurofähig", "BTX-fähig", "internetfähig", "PC-fähig", "steuerungsfähig", "notstromfähig" und "verschreibungsfähig", um nur einige zu nennen.

Wie wenig ausdruckskräftig (statt ausdrucksfähig) derartige Schwammwörter sind, zeigen die offenen Fragen, die sie zwangsläufig aufwerfen: Bedeutet z. B. "mehrheitsfähig" die Mehrheit anzustreben, sie zu erringen, zu bilden, zu ertragen, zu gestalten oder zu erweitern? Die Vielzahl der möglichen Antworten lädt geradezu ein, dem Trend der Zeit folgend die Verschleierung zu nutzen, wenn der Sprechende oder Schreibende die Antwort selbst nicht kennt, sie nicht preisgeben will oder es anderen überläßt, sie herauszufinden.

Weitere Beispiele 




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