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Sprache / Wörtermarkt / Favoriten / -fähig/-bar Zusammenfassung / Die 'bar'-Phobie
 

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-fähig/bar - Die "bar"-Phobie des Duden
(fähig / Fähigkeit / -fähig / -bar)

 

Übersicht

Zusammenfassung
Definitionen 

Sprachgebrauch    
Suffixoide     
Semantische Irrweg     
Die "bar"-Phobie     
Scheinfähigkeiten     
Zu den "Affixoiden"

In den "Hauptschwierigkeiten" heißt es
"Das Adjektiv "fähig" ist zum Suffix verblaßt und seine Funktion hat sich gewandelt. Außerdem steht kein anderes Suffix mit vergleichbarer Funktion zur Verfügung, denn mit dem Suffix "-bar" können Adjektive dieser Art nur zu Verben gebildet werden. Wirklich? Warum kann denn z. B. "ausbaubar " (Verb "ausbauen") nicht für die Wendung zum Ausbau geeignet verwendet werden? Auch die weiteren Beispiele sind ungeeignet, die These des Duden zu stützen, sie sind stützungsunfähig! Was hat der Duden eigentlich gegen das Suffix "-bar"? So stellt er doch fest, Die zahlreichen von Verben (also doch) abgeleiteten Adjektive mit dem Suffix "-bar" haben passivischen Sinn. Das Suffix "-bar" drückt aus, daß die durch das Verb bezeichnete Handlung an einem Wesen oder Ding vollzogen werden kann: lieferbar. Warum will er aber "-bar" nicht im aktivischen Fällen durch "-fähig" ersetzen z. B. lenkbar durch lenkfähig? Soll demnach der Fahrer eines Fahrzeuges ebenso lenkbar sein wie das Fahrzeug selbst? Warum wäre das nicht korrekt? Brauchen wir die lieferungsfähige Ware, nachdem sie allgemein (noch) üblich als lieferbar bezeichnet wird? Die Beispiele lassen sich mit fast allen Verben bilden.

Der Duden sieht in den "Hauptschwierigkeiten ...." Schwierigkeiten, wo es keine gibt. So soll die Frage schwierig sein, ob man auch Bildungen (mit "-fähig") mit einem Verb als Bestimmungswort gelten lassen darf, die ausgesprochen passivischen Sinn haben und die die Bildungen mit dem Suffix "-bar" verdrängen: taxierfähig "taxiert werden könnend", beeinflußfähig "beeinflußt werden könnend. Laut Duden sind einige wenige (es werden immer mehr!) bereits üblich, und es ist müßig, "streichfähig" durch "streichbar" ersetzen zu wollen. Im Gegenteil, diese doppeldeutigen Begriffe erhöhen die Zahl der Schwammwörter. Nur das strikte Unterscheiden zwischen taxierbar (kann taxiert werden) und taxierfähig (kann taxieren) läßt sofort erkennen, welcher Sachverhalt vorliegt. Dasselbe gilt für streichbar, das gemäß Dudenempfehlung durch streichfähig und für strapazierbar, das durch strapazierfähig ersetzt bleiben soll. Warum? Der Maler wäre streichfähig, die Farbe streichbar; ein Ausbilder ist strapazierfähig, der Auszubildende strapazierbar; ein Mann ist streichelfähig, seine Ehefrau streichelbar. Der Duden rotiert mit den Suffixen "-bar" und "-fähig" in einem Erklärungsnebel, aus dem er nicht mehr herausfindet. Das zeigt sich am Ende des Eintrags erneut. Danach sei es nicht korrekt, allgemein übliche Bildungen mit "-bar" durch Bildungen mit "fähig" zu ersetzen, wie z. B. lenkbar durch lenkfähig. Es ist gerade umgekehrt. Auf der Woge der "Fähigkeitsinflation" wurde aus dem lenkbaren Auto das lenkfähige Auto.

Im neuen 10-bändigen Wörterbuch von 1999 bestätigen die Erläuterungen zum Eintrag "-fähig" die seit Jahrzehnten unveränderte "schwammfähige" Situation. Indem aktuellen Eintrag unter "-fähig" drückt das Suffix in Bildungen mit Substantiven oder Verben (Verbstämmen) aus, daß etw. gemacht werden kann: sende-, zitierfähig. Abgesehen davon, daß für das Bilden mit einem Substantiv kein Beispiel gegeben wird, wäre nach dieser Definition sendefähig etwas, was gesendet, und zitierfähig etwas, was zitiert werden kann. Das ist starrfähiger Unsinn! Mit den Erklärungen aus den "Hauptschwierigkeiten ..." sind Sendungen sendbar und Texte zitierbar. Der Duden hat offenbar eine "bar"-Phobie, die ihn hindert, die Realität zu erkennen. Gegenüber der Schwammwörteransammlung im Bedeutungswörterbuch von 1985 erscheinen die Angaben im Wörterbuch von 1999 ja noch harmlos: "-fähig" drückt in Bildungen mit Substantiven aus, daß die beschriebene Person oder Sache für etwas geeignet ist, die erforderlichen Eigenschaften für etwas besitzt: abrüstungs-, mehrheits-, politik-, wettbewerbsfähig." Abrüstung und Wettbewerb sind von Verben abgeleitet, die Wörter Mehrheit und Politik nicht.



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