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Startseite / Zur Person / Lebenslauf / 1. - 12 .Jugendzeit / 11+12.Mutter - Vertreibung
 

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Meine Mutter - Vertreibung

 

1. Mein Geburtsort

2. Schule und Freizeit
3. Ferien

4. Erntehelfer
5. Deutsches Turn- und Sportfest in Breslau 1938

6. Mit der Straßenbahn zum Skifahren

7. Modellschiffbau

8. Verdunklung
9. Sammeln für - den Endsieg?

10. Hilfsschaffner bei der Straßenbahn

11. Meine Mutter

Als Geschiedene mit wenig Unterstützung vom Vater ihrer zwei Söhne hatte meine Mutter in der großen 5-Zimmer-Wohnung ein Schülerpensionat betrieben. Zwei eigene und drei fremde Burschen sorgten für regen Betrieb. Obwohl sehr resolut war sie oft dankbar für die Unterstützung des ältesten Schülers: Jakob, kurz vor dem Abitur und athletisch gebaut, hat meinem Bruder bei Ausfälligkeiten meiner Mutter gegenüber regelmäßig eine Watschen angedroht. Jakob verließ als erster die Stieffamilie, gefolgt von meinem Bruder und mir. Nach und nach erreichten wir alle das wehrtaugliche Alter. 

12. Vertreibung

Das Ende mit vorübergehender Duldung aller Deutschen und der endgültigen Vertreibung mußte meine Mutter allein meistern. Sie wurde zwar vorerst von den neuen Mietern oder Besitzern ihrer Wohnung geduldet und hoffte noch auf eine Dauerlösung. Dann kam eines Tages der Rausschmiß. Innerhalb von 10 Minuten mußte sie die Wohnung, ihre Wohnung verlassen und sich bei der Sammelstelle melden. In aller Eile riß sie noch meine Briefmarken aus den Alben und nahm in einem Koffer alles mit, was sie – kopflos handelnd - gerade noch ergreifen konnte. Die Briefmarken, sowohl von ihr als später auch von mir dankbar als Schatz für Notzeiten gehalten und erhalten, verkaufte ich als Student in München. Der Hunger trieb mich dazu. Ein Händler am Stachus gab mir 8.- DM dafür. 

Die Vertreibung hat diese tapfere Frau ohne Hilfe durchgestanden. Die Familie (unser Vater hatte inzwischen neu geheiratet) war nach dem Krieg in Deutschland verstreut und fand erst im Sommer 1947 in Garmisch-Partenkirchen zusammen. Hier baute sie einen ambulanten Kleiderhandel auf und unterstützte uns während des Studiums.


 



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