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Sprache / Artikel zur Sprache XXXXXXXXXXXXXXXXXXXX / X.live
 

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"Live" ist "in" 
 schließlich wurden wir alle „live“ geboren

 

Ludwig Schichtl aus Baldham bei München fragt in einem Leserbrief an eine bekannte Tageszeitung, was denn ein Live-Konzert sei. Er habe schon Opern-, Jazz- und Rock-Konzerte besucht, auch Violin- und Klavierkonzerte. Aber unter einem „Live-Konzert“ können er sich nichts Besonderes vorstellen. Schließlich sei jedes Konzert, in dem Musiker auftreten und spielen, „live“. Sonst käme die Musik von einem Tonträger wie Platte oder Band, was nicht als Konzert bezeichnet werden könnte, sondern allenfalls als eine Wiedergabe einer Konzertaufzeichnung. Schichtl bezeichnet das Attribut „live“ als Pleonasmus, der genauso überflüssig ist wie „Glas“ in „Glasvitrine“ oder „Bauch“ in „Bauchnabel“.
     
Wie so viele Sprachverhunzungen ist in Rundfunk und Fernsehen auch das englische Wort „live“ zum Lieblingswort geworden. Schichtls Meinung nach passe es ausgezeichnet in das System aus Worthülsen. Völlig unreflektiert werde alles mit dem Etikett „live“ versehen. Der Hörer sei „live“ dabei, wenn er vor seinem Gerät sitze. Der Moderator sei „live vor Ort“, eine Formulierung, die mit dem modernen Begriff „vor Ort“ zusätzlich aufgeblasen ist.

Weitere Ver“live“ungen: Die Sendung finde „live“ im Studio statt, die Veranstaltung werde „live“ übertragen und der Reporter habe den Papst oder wen auch immer „live“ gesehen.

Schichtl empfiehlt, die Sprachblähung „live“ ohne Verlust an Information einfach wegzulassen, ohne das Verständnis zu erschweren oder den Sinn zu entstellen.

Mit der dudenunterstützten Verfähigung aller Hauptwörter (zukunftsfähig, mehrheitsfähig, internetfähig, abzugsfähig usw.) können auch die genannten Veranstaltungen (Opern-, Jazz- Rock-, Violin- Klavierkonzerte, Sendungen, Moderatoren, Reporter, Hörer) als „live“-fähig bezeichnet werden. Eine effektive Bereicherung der vorortlichen Verhunzung der deutschen Sprache. 

U.W. 

 



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